Karen Laaser ist Hairstylistin aus Leidenschaft, Mutter von drei Töchtern und immer unterwegs – sei es auf der Alster im Kanu oder mit Freunden in Bars. Bei ihrer Arbeit liebt sie es, Menschen zu verändern, nicht nur durch Schnitt und Farbe, sondern durch die Geschichten, die dabei entstehen.

Pastellfarbene Shampoo-Flaschen von Kevin.Murphy reihen sich auf schlichten Holzregalen neben bunten Haarspangen und Glätteisen von ghd. Karen steht mittendrin. Seit drei Jahren arbeitet sie als Hairstylistin bei Nova Hair.
Durch die bodentiefen Fenster fällt Licht, der Salon wirkt offen und hell. Die schicken Samtsofas, das Pampasgras in den lila Glasvasen, die grauen Natursteinwände passen zur Adresse, die liegt schließlich am Neuen Wall. Hier gibt es keine Laufkundschaft, das Team arbeitet mit hochwertigen Produkten und macht regelmäßig Schulungen. Klingt teuer, trotzdem komme hier alle her: vermögende Menschen, Influencer, aber auch Studenten. „Die Mischung mag ich“, sagt Karen. „Wir können alle die gleichen Gespräche führen, wir sind alle Menschen“ fügt die 43-Jährige hinzu.
Dieser Austausch macht Karen besonders viel Spaß. Für sie ist nicht nur die Veränderung von Haaren wichtig, sondern auch was dahintersteckt. Die Gespräche gehen oft sehr tief. „Es ist wie eine Therapiesession, eine Haartherapie und eine zwischenmenschliche Therapie“, erzählt sie. Schon beim ersten Treffen erzählen viele offen von Trennungen, Unsicherheiten und Neuanfängen. Und auch Karen teilt ihre Geschichten mit ihnen.
Falls sie mal einen Wunsch umsetzen soll, der ihr nicht stimmig erscheint, schlägt Kompromisse vor, die zur Person und ihrem Haar passen. Nur bei Farben ist eine Grenze erreicht. „Gehen wir von blonden Haaren aus und die Kundin möchte noch blonder und noch blonder, aber die Haarstruktur macht es nicht mit, machen wir das nicht. Das wollen wir nicht verantworten“, stellt Karen klar. Stattdessen darf es ein Glossing oder eine Blondveredelung sein, aber alles für das Haar, nicht gegen es. Und wenn die Kunden glücklich sind, ist Karen es auch.
Mit Angst steht man sich selbst nur im Weg
Schon früh wusste Karen, dass sie Friseurin werden will. Es machte ihr Spaß, Menschen zu verschönern und danach ihre zufriedenen Gesichter zu sehen. Nach der Schule machte sie ihre Ausbildung in Stade und zog kurz darauf nach Hamburg. „Eigentlich war die Idee ein paar Jahre zu bleiben und dann weiterzuziehen. Ich wollte unbedingt aufs Schiff, um Reisen mit meiner Arbeit zu verknüpfen. Da kam mir meine erste Tochter in den Weg“, erinnert sie sich lachend zurück. Ihre drei Töchter sind sechs, 15 und 20 Jahre alt. „Die haben alle einen Riesen-Abstand, weil ich ungern plane. Ich entscheide aus dem Moment heraus.“ Wenn die Kinder aus dem Haus sind, geht sie vielleicht doch noch aufs Schiff. Sie will nicht langweilig sein. Schließlich ist sie nicht nur Mutter, sondern auch noch sie selbst.
Und als „sie selbst“ ist Karen immer aktiv. Fahrradfahren und das Fitnessstudio sind ihre Altersvorsorge. Stillstand ist ihr fremd. Während Corona hat sie sich ein eigenes Kanu gekauft und ist oft auf der Alster und den Kanälen unterwegs. Abends hört Konzerte im Stadtpark – auch, wenn sie die Künstler nicht kennt – oder sitzt mit Freunden in der Puzzle Bar oder der NOU7 Bar. Manchmal kommt sie erst um drei Uhr nachts nach Hause und steht am nächsten Morgen wieder im Salon. Wenn sie Ruhe sucht, geht sie in ihren Schrebergarten. Dort macht sie alles selbst: legt Böden, repariert das Dach und hat sich sogar einen Teich selber gebaut. Selbst dort, wo sie Angst hat, bleibt sie nicht stehen. Trotz Höhenangst in den Hochseilgarten zu gehen ist für sie kein Problem. „Du kannst mich in jede Situation setzen und ich komme damit zurecht“, sagt sie. Ihre Devise ist: Mit Angst steht man sich selbst nur im Weg.
Wenn eine Kundin auf dem Frisierstuhl Karen nach ihrem Leben fragt, hat sie viel zu erzählen. Aber genauso hört sie aufmerksam zu, wenn die Kundin von ihrem Leben erzählt. Weil für Karen nicht nur das Schneiden und Färben von Haaren ihren Beruf besonders macht, sondern vor allem das Verschönern von Menschen und der Austausch mit ihnen.
