Was vor einem Jahr mit einem spontanen Instagram-Aufruf begann, vereint inzwischen eine gesamte Community. Mit ihrem Knittingclub bringt Erika Roth Menschen zusammen, die Kreativität, Austausch und Gemeinschaft suchen.

„Hi, ich bin Erika, ich bin 28 Jahre alt, wohne in Hamburg und ich möchte dieses Jahr Stricken lernen!“ – so beginnt Erika an einem Sonntagmorgen im Januar 2025 ein Instagram-Reel. Darin erzählt sie von ihrer Lust auf kreative Hobbys – Marmeladekochen, Kerzenziehen, Häkeln, Stricken – und davon, dass sie all das nicht allein tun wolle. Der Aufruf geht viral und erreicht innerhalb weniger Stunden tausende Menschen in ganz Hamburg.
Hinter dem Video steckt ein klarer Wunsch: gemeinsam Neues auszuprobieren, endlich Stricken zu lernen, Wissen zu teilen und dabei neue Menschen in Hamburg kennenzulernen – vor allem Letzteres sei in einer Großstadt nämlich gar nicht so einfach. Und auch Erikas erster Strick-Versuch endete zuvor in einem kleinen Desaster: „Ich war so frustriert, dass ich das Wollknäuel irgendwann in die Alster geschmissen habe. So sauer war ich, weil ich nicht mal den Maschenanschlag schaffte!“
Doch statt aufzugeben, dachte sich Erika: Gemeinsam mit anderen könnte es vielleicht klappen – und plötzlich meldeten sich über 200 Leute. „Damit hätte ich niemals gerechnet, dass so viele Lust dazu haben! Ich dachte eher, ich müsste meine Freundinnen noch dazu überreden“, gibt sie lachend zu. Kurz darauf fand das erste Strick-Treffen im Café Glück und Selig in Eimsbüttel statt – mit 20 Leuten.
Vom spontanen Reel zur deutschlandweiten Community
Ein Jahr später ist aus dieser spontanen Idee der Knittingclub geworden – eine deutschlandweite Community mit regelmäßigen Events für alle, die Lust auf Kreativität, Austausch und neue Freundschaften haben. Erika ist mittlerweile keine blutige Anfängerin mehr – stattdessen leitet sie jetzt Workshops und gibt ihr Wissen weiter. „Es ist so schön zu sehen, wie Leute das erste Mal Maschen aufnehmen. Dieses Leuchten in den Augen, wenn sie es verstanden haben!“, schwärmt sie. Besonders oft auf den Nadeln der Teilnehmerinnen: der Sophie Scarf, der Olga Sweater und der Cardiducoeur – alles beliebte Strickprojekte.
Der beliebte Sophie Scarf war auch Erikas allererstes Strickstück. Schmunzelnd erinnert sie sich zurück: „Der sah so schrecklich aus, ein einziger Fiebertraum dieses Ding! Aber ich war so stolz! Stricken ist übrigens ein gutes Training, um seinen Perfektionismus abzulegen!“ Dann zeigt sie auf ihren selbstgestrickten rotbraunen Pullover, den sie heute trägt – den Sweater No. 23 nach der Anleitung von My Favourite Things Knitwear. „Auf den bin ich besonders stolz. Ich finde, der sieht aus wie gekauft. Und ich liebe diese Wolle, die Santiago von mayflower“, sagt sie und streicht über den Ärmel. In einem Jahresrückblick auf ihrem Instagram-Profil zeigt sie weitere Strick-Projekte. „What I knitted in 11 Months“ ziert die Überschrift. Danach folgt ein schneller Zusammenschnitt: mehrere Cardigans, ein Pullunder, ein T-Shirt, viele Schals und Tücher, Hausschuhe, sogar eine Babymütze – jedes Teil zeigt, wie sehr dieses gemütliche Hobby innerhalb weniger Monate zu ihrer größten Leidenschaft geworden ist.
Die ursprünglichen Strick-Treffen gibt es zwar immer noch, doch mit der Zeit hat Erika das Konzept erweitert. Ob gemeinsame Pilates-Stunden, Kerzen dippen, Tassen bemalen, Strickkinos, Soundhealing-Sessions, Flohmärkte oder Charity-Events – der Knittingclub vereint inzwischen viel mehr als bloßes Stricken. Er ist ein Ort geworden, für alle, die Lust auf Kreativität und Austausch haben. Besonders bei größeren Veranstaltungen wie dem Sommerfest auf dem Hof Bissee oder dem Adventsbasar im 4 Walls, verwirklicht Erika gemütliche Nachmittage mit kreativen Angeboten, gemeinsamen Projekten und viel Raum für neue Begegnungen. Zwischen Lichterketten, verschiedensten kreativen Angeboten und jeder Menge Snacks, kommen Menschen ins Gespräch, die sich ohne Erika vermutlich nicht begegnet wären. „Das macht alles so unfassbar viel Spaß! Ich liebe es, Menschen mit den gleichen Hobbys zusammenzubringen.“ Ihre blauen Augen strahlen, während sie von den Events berichtet.
„Marmeladekochen, Kerzenziehen, Häkeln, Stricken“ – was Erika in ihrem ersten Reel damals vage als Wunsch formuliert hat, ist heute Realität. Scrollt man durch ihr Profil sieht man Bilder von Strick-Inspiration und Videos von gemeinsamen Community-Treffen in verschiedensten Hamburger Cafés, aber vereinzelt auch in anderen deutschen Städten – ganz so, wie sie es sich von Anfang an vorgestellt hatte. „Ich habe so viele neue tolle Leute kennengelernt und knapp 50 Events veranstaltet. Mein Freundeskreis hat sich exorbitant erweitert!“ Und in Zukunft? „Ich träume von einem Knittingclub-Space mit Wollgeschäft! Ein Ort, an dem man coworken, Workshops veranstalten und einfach ’ne gute Zeit haben kann!“
